Bild 1 Bild 2 Bild 3 Bild 4 Bild 5

Unternehmensverantwortung und ihre Grenzen

Das Forschungsvorhaben folgt zwei zentralen Fragestellungen: Sind Unternehmen verantwortungsfähig? Und falls ja: wofür? Auch nach vielen Jahren intensiver Diskussion hatte die wirtschafts- und unternehmensethische Forschung bislang keine eindeutige Antwort auf die erste der beiden Fragen liefern können. Daher wird in der Untersuchung zunächst analysiert, welche Bedingungen für Verantwortungsfähigkeit erfüllt sein müssen und ob diese Bedingungen auf Unternehmen übertragbar sind. Insbesondere ist dabei problematisch, dass sich der Verantwortungsbegriff in der philosophischen Tradition in erster Linie auf Individuen bezieht. Dennoch kann gezeigt werden, dass eine Verantwortungsfähigkeit von Unternehmen begründbar ist.

Damit ist zu klären, welcher Umfang von Unternehmensverantwortung sich rechtfertigen lässt und an welcher Stelle andere Akteure die jeweiligen Aufgaben übernehmen müssen. Auf Basis ihrer spezifischen Merkmale folgt aus der Argumentation zur Verantwortungsfähigkeit zunächst einmal nur eine sehr enge Reichweite von Verantwortlichkeiten für Unternehmen, und zwar Verantwortlichkeiten gegenüber sich selbst. Diese stehen allerdings in einer Diskrepanz zu bestimmten Forderungen, die seitens der Zivilgesellschaft und Politik formuliert und an Unternehmen herangetragen werden. Worin die Abweichung genau besteht, wird anhand der drei Fallbeispiele a) Steuerreduzierungsstrategien von Unternehmen, b) wirtschaftliche Aktivität in völkerrechtlich nicht anerkannten Regionen und c) Fundierung geschlechtlich bedingter Stereotype beleuchtet. In allen drei Fällen identifizieren verschiedene Anspruchsteller jeweils einen moralisch bedenklichen Zustand und ordnen dessen Behebung dem Aufgabenbereich von Unternehmen zu. Bei genauerer Betrachtung zeigt sich aber, dass der erhobene Anspruch von den Unternehmen so nicht erfüllt werden kann und für die Beseitigung des jeweiligen moralisch bedenklichen Zustands ein anderer Adressat verantwortlich ist. Die abgeleitete enge Reichweite der unternehmerischen Aufgaben und Verantwortlichkeiten wird somit in den Beispielen bestätigt. Eine kritische Reflexion dieses Ergebnisses komplettiert die Untersuchung, die im Frühjahr 2017 unter dem Titel "Verantwortlichkeiten von Unternehmen" als Buch erschienen ist.

Ansprechpartnerin

Dr. Miriam Putz
Hamburger Stiftung für Wirtschaftsethik

miriam.putz@stiftung-wirtschaftsethik.de
040 / 878790570