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Interessen der lokalen Bevölkerung im Tourismussektor

Die unzureichende Berücksichtigung der Interessen der lokalen Bevölkerung ist ein zentrales Thema in der gesamten Wertschöpfungskette des Tourismus. So kommt es bei der Erschließung von Destinationen vor allem in Entwicklungs- und Schwellenländern immer wieder zu Landgrabbing-Vorfällen. Dies meint die Vertreibung der einheimischen Bevölkerung für die Umsetzung touristischer Projekte von ihrem eigenen Land. Landnutzungskonflikte ereignen sich vor allem in Ländern mit einer schwachen Regierungsführung, die eng mit Investoren zusammenarbeitet. So kommt es vor, dass für eine touristische Erschließung meist multinationaler Unternehmen die einheimische Bevölkerung gezwungen wird, ihr Wohngebiet zu verlassen und in eine andere Region umzusiedeln. Selten ist in den neuen Siedlungen der Zugang zu sauberem Trinkwasser sichergestellt und es gibt oft keine intakte Infrastruktur. Versprochene Kompensationszahlungen werden zudem teilweise in niedrigerem Umfang als abgesprochen oder im Extremfall gar nicht getätigt. Auch in Industrieländern regt sich zuweilen Widerstand bei der einheimischen Bevölkerung, wenn Destinationen neu erschlossen werden - auch wenn dieser nicht unbedingt existentiell ist. Der geplante Ausbau eines Hotels kann so Proteste gegen die Einschränkung von Parkräumen oder die Behinderung der Aussicht zum Meer nach sich ziehen.

Eine weitere gravierende Auswirkung touristischer Aktivitäten auf die Bevölkerung vor Ort ist die Nutzung knapper, lebenswichtiger Ressourcen durch die Second und First Tier Lieferanten. Vor allem hinsichtlich des Zugangs zu Wasser wird dieses Risiko deutlich. Für das High-Class Segment der Branche und einen gehobenen Urlaubsstil ist für Pool-Landschaften, Golfplätze und einen umfangreichen Service ein unverhältnismäßig hoher Wasserverbrauch notwendig. Dieser kann in Folge sogar dazu führen, dass das zur Verfügung stehende Wasser in der Region nicht mehr ausreicht, um den Bedarf der einheimischen Bevölkerung zu decken.

Zudem kann der unsachgemäße Umgang mit Ressourcen eine Verletzung der Interessen der lokalen Bevölkerung bedeuten. Ein Beispiel hierfür ist das inadäquate Einleiten von Abwässern eines Resorts in einen Fluss, der regelmäßig von Einheimischen vor Ort genutzt wird und durch seine Verschmutzung gesundheitsschädliche Auswirkungen hat.

Schließlich besteht durch den Reisenden selbst die Gefahr, z.B. durch immer wieder stattfindende Besuche von Touristengruppen bei Einheimischen, die Privatsphäre der Bevölkerung vor Ort nicht angemessen zu beachten (siehe auch "Diskriminierung im Tourismussektor").

Nicht zuletzt, die gesamte Wertschöpfungskette betreffend, besteht in der Tourismusbranche das Risiko, dass der ökonomische Mehrwert nicht in den Reiseländern oder Regionen vor Ort generiert wird, sondern maßgeblich den Reiseanbietern in ihren Heimatländern zugutekommt. So kann die Sickerrate, die angibt, welcher Anteil des Gesamtpreises einer Reise in den Destinationen verbleibt und damit das Maß, in dem die lokale Bevölkerung vom Tourismus profitiert, sehr gering ausfallen.