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Corporate Social Responsibility, Stakeholder-Management und Netzwerkgovernance

Können Netzwerke aus zivilgesellschaftlichen, privatwirtschaftlichen und politischen Akteuren die Globalisierung steuern? Dies ist nur eine der Fragen, der die Hamburger Stiftung für Wirtschaftsethik in Kooperation mit dem Konstanz Institut für WerteManagement (KIeM) in diesem Forschungsprojekt (Juni 2007 bis Dezember 2009) nachging. Zentrales Ergebnis des Projekts sind die von Josef Wieland herausgegebenen Bücher „CSR als Netzwerkgovernance – Theoretische Herausforderungen und praktische Antworten“ (Metropolis, 2009) und „Die Praxis gesellschaftlicher Verantwortung im Mittelstand“ (Metropolis, 2010).

Überblick

In diesem Forschungsprojekt wurde die Arbeit an den Konzepten Corporate Social Responsibility (CSR) und Stakeholdermanagement vorangetrieben. Der besondere Fokus lag dabei darauf, den noch jungen Begriff der ‚Netzwerkgovernance’ zu entwickeln und klar zu umreißen. Ein weiterer Schwerpunkt des Projekts lag darauf, herauszuarbeiten, welche besondere Form die Governance durch Netzwerke bei kleinen und mittleren Unternehmen annimmt. Zu diesem Zweck wurden zwei Workshops durchgeführt: einer mit einem Schwerpunkt auf der wissenschaftlichen Debatte, und ein zweiter, der an Praktiker adressiert war, um den Transfer der wissenschaftlichen Einsichten sicher zu stellen.

Forschungsfragen

Mittels dieses Forschungsprojekts wurde zum einen der Frage nachgegangen, ob Politiknetzwerke - Verbünde aus zivilgesellschaftlichen, privatwirtschaftlichen und politischen Akteuren – eine Organisationsform sind, die dem durch die Globalisierung bedingten institutionellen Defizit im supranationalen Raum Abhilfe schaffen können. Themen, die dabei besondere Beachtung fanden, waren die moderne Governance öffentlicher Aufgaben und die Firma als Form gesellschaftlicher Kooperation. Weiterhin wurde diskutiert, inwiefern durch CSR-Netzwerke entwickelte Policies einerseits ein effektives Instrument zur Gestaltung unterregulierter Räume sind, andererseits aus Legitimitätsperspektive Anlass für Bedenken geben.

Darüber hinaus wurde die Frage verfolgt, in welcher Form Netzwerkgovernance gerade bei kleinen und mittleren Unternehmen ausgeprägt ist. Im Gegensatz zu Großunternehmen, die für die Aufgaben rund um CSR meist eigene Positionen oder gar Teams einrichten, haben kleine und mittlere Unternehmen diese Resourcen in den allermeisten Fällen nicht und verfolgen soziale Zielsetzungen weniger losgelöst von den Kerntätigkeiten des Unternehmens. Darüber hinaus ist die lokale Verflechtung von KMUs zumeist höher als diejenige größerer Unternehmen.

Netzwerkgovernance

Der Forschungsfrage zu Netzwerkgovernance liegt die Annahme zugrunde, dass im supranationalen Raum Institutionen fehlen, die ursprünglich staatliche Aufgaben effektiv und legitim regulieren könnten. Anstelle des im Nationalstaat bestehenden Gestaltungsanspruchs der Politik, hat sich eine Vielzahl an nicht-staatlichen Akteuren herausgebildet. Dabei stellt sich eine Ungleichverteilung von Durchsetzungsmöglichkeiten auf der einen Seite und deren Legitimität auf der anderen Seite heraus. Weiterhin wird eine gestiegene Multipolarität unterstellt, d.h. eine Zunahme der relevanten Akteure, die Gestaltungsanspruch erheben. In dieser Gemengelage erscheinen so genannte trisektorale Netzwerke oder auch Politiknetzwerke – also Netzwerke, in denen sich zivilgesellschaftliche Akteure wie NGOs, privatwirtschaftliche und politische Akteure zusammenfinden – als Möglichkeit, Legitimität und Durchsetzungsmöglichkeiten zu vereinen.

Ob derartige Netzwerke eine geeignete Struktur zur Integration von Legitimität und Effektivität darstellen, ist ein Aspekt der im wissenschaftlichen Symposium des Projekts im März 2008 (und der daraus resultierenden Publikation) diskutiert wurde. Darüber hinaus wurde erörtert, welche Konsequenzen sich daraus für die Governance öffentlicher Aufgaben ergeben. Neben diesen handlungsorientierten Impulsen wurde erarbeitet, welche Implikationen diese neue Governanceform für das theoretische Modell von Firmen hat.

Ein weiteres Symposium im Oktober 2009 richtete sich in erster Linie an Praktiker, die sich mit Netzerkgovernance befassen. Es hatte zum Ziel, die erarbeiteten wissenschaftliche Erkenntnisse in die Praxis zu transferieren. Darüber hinaus wurde die Umsetzung von Netzwerkgovernance bei KMUs insbesondere in Form von regionalen Netzwerken von Unternehmen, Politik und Zivilgesellschaft diskutiert. Die verschiedenen Beiträge dieses Workshops sind im Herausgeberband „Die Praxis gesellschaftlicher Verantwortung im Mittelstand“ von Josef Wieland, der im Jahr 2010 erschienen ist, versammelt.

Meilensteine

Das Projekt lief von Juni 2007 bis Dezember 2009. Zentrale Meilensteine waren:

 

  • Wissenschaftliches Symposium zu Netzwerkgovernance (März 2008)

  • Publikation von Josef Wieland (Hrsg.) „CSR als Netzwerkgovernance – Theoretische Herausforderungen und praktische Antworten“ (April 2009)

  • Expertenworkshop zum Praxistransfer (Oktober 2009)

  • Publikation von Josef Wieland (Hrsg.) „Die Praxis gesellschaftlicher Verantwortung im Mittelstand“ (Juli 2010)

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