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Drittes era-paper zu ethischen Risiken in der Fischerei veröffentlicht

Die Überfischung der Meere trifft die Menschen in ärmeren Weltregionen oft besonders hart: Bleiben die Netze der Fischer leer, sind nicht nur die Arbeitsplätze gefährdet, sondern auch die Ernährungssicherheit. Die Vielzahl sozialethischer Risiken des Sektors ist Gegenstand des jetzt veröffentlichten dritten Bands der Reihe era-paper.

Unter dem Titel „Fisch. Eine ethische Risikoanalyse“ wird die zentrale Rolle der sogenannten IUU-Fischerei – dem illegalen, undokumentierten und unregulierten Fischfang – thematisiert. Das Phänomen führt nicht nur zur Überfischung, sondern steht auch in enger Verbindung mit zum Teil schwerwiegenden Menschenrechtsverletzungen bis hin zu Formen moderner Sklaverei, wie sie insbesondere aus dem asiatischen Raum immer wieder berichtet werden.

Das südostasiatische Thailand ist neben Mauretanien eines von zwei Länderbeispielen, die in dem era-papers (era = ethical risk assessment) auf der Suche nach Lösungsmöglichkeiten herangezogen werden. „Gerade die Rolle der Europäischen Union, dem größten Fisch-Importmarkt der Welt, hat uns dabei besonders interessiert“, sagt Sören Bachmann, einer der Autoren der Hamburger Stiftung für Wirtschaftsethik. „Eine wesentliche Frage ist aus unserer Sicht, inwieweit die EU das Fehlen eines Akteurs mit globaler Reichweite kompensieren könnte.“ Anhand der Länderbeispiele werden aber nicht nur europäischen Maßnahmen wie die Gemeinsamen Fischereipolitik und die IUU-Verordnung auf ihre Wirksamkeit überprüft, sondern auch Instrumente wie das noch junge Port State Measures Agreement der Food and Agriculture Organization der Vereinten Nationen. In Zukunft, so die Bilanz, muss neben der konsequenten Umsetzung beschlossener Maßnahmen auf politischer Ebene eine stärkere Verknüpfung der Dimensionen Überfischung, Arbeitsbedingungen, Ernährungssicherheit und Entwicklungszusammenarbeit erfolgen.

Das era-paper „Fisch. Eine ethische Risikoanalyse“ ist kostenlos als PDF-Download sowie als Printausgabe erhältlich. Die Publikation ist Teil des Projekts Ethical Risk Assessment, in dem die Stiftung branchenbezogen Wertschöpfungsketten analysiert. Leitend sind die Fragen, welche ökonomischen, politischen und zivilgesellschaftlichen Akteure an den komplexen Wertschöpfungsprozessen beteiligt sind, welche Rolle sie jeweils spielen und wie es ihnen gemeinsam möglich ist, die sozialethischen Risiken der Branche zu minimieren. In der Reihe waren zuvor Analysen zum Elektrorecycling sowie der Kakao-Branche erschienen.

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